Liebe digitale Bohème,

entschuldige, dass ich dich stören muss, aber leg bitte kurz dein MacBook und deine Latte macchiato zur Seite. Denn wir müssen mal reden.

Meinst du nicht, dass es langsam an der Zeit ist, erwachsen zu werden? Seit Jahren hängst du nur an deiner Kiste und kommunizierst mit flüchtigen Bekannten, die du für deine Freunde hältst. Seit Jahren jettest du durch’s Weltgeschehen, von einer Konferenz zur anderen, nur damit du dich bedeutend fühlen kannst. Seit Jahren bloggst und twitterst du unwichtiges und unreifes Zeug. Und hörst dir selber gebannt dabei zu.

Deine Eltern und Großeltern haben noch was geschafft. Sie haben nach dem Krieg ganze Länder wieder aufgebaut und sich einen bescheidenen Wohlstand erwirtschaftet. Sie haben unserem Kontinent nach Jahrhunderten einen dauerhaften Frieden gebracht. Sie haben für unsere Freiheit demonstriert, obwohl sie nicht wussten, ob die Volkspolizei sie in Stücke schießen wird. Kurz gesagt: sie haben die Grundlage geschaffen, durch die du erst möglich geworden bist.

Natürlich ist es toll, in jungen Jahren ein wildes unabhängiges Leben zu führen. Immer fünf SIM-Karten dabei zu haben, damit man auch überall connected ist. Auf dem Rückweg von New York nach Berlin doch noch schnell in Amsterdam zwischenlanden, um ein BarCamp mitzunehmen. Aber kannst du ewig so leben? Was ist, wenn du eines Tages eine Familie gründen möchtest? Womit ernährst du sie? Die Wahrheit ist nämlich, dass die Millionen von Menschen, die täglich acht Stunden im Büro, am Fließband oder im Krankenhaus schuften, dass diese Millionen von Menschen, auf die du immer etwas herablassend blickst, dass diese Millionen von Menschen mit ihren Bausparverträgen und Eigentumswohnungen ihr Leben in Wirklichkeit viel besser im Griff haben als du. Denn sie übernehmen Verantwortung.

Aber ich möchte dich nicht niedermachen, sondern lieber an die Hand nehmen und fragen ob du Lust auf etwas Neues hast. Lust auf die Welt rechts und links neben dir. Lust auf Verantwortung. Denn jetzt ist unsere Generation an der Reihe.

Beweise, dass deine Verbesserungsvorschläge nicht nur heiße Luft sind sondern lass den Worten Taten folgen. Vielleicht würde ich dich wählen, wenn ich könnte. Hör auf deine Mitmenschen zu belächeln, sondern rede mit ihnen und zeig ihnen deine Welt. Dann werden sie dir ihre zeigen und schließlich werdet ihr euch verstehen. Finde deine Heimat, ganz gleich, ob sie nun Hamburg oder Hanoi heißt, und werde glücklich. Lebe in unser aller Welt, statt nur in deiner, und wir werden mit Sicherheit Freunde. Ich würde mich jedenfalls wahnsinnig darüber freuen.

So, jetzt muss ich aber weiter. Danke für’s zuhören! Und jetzt bestell dir noch einen Café und genieß die restlichen Sonnenstrahlen.

Bis bald.

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