Was vom „Diesel-Gipfel“ übrig blieb

Ich wäre gerne Bundesverkehrsminister. Genaugenommen Bundesminister für Infrastruktur, Verkehr und Bau. Das meine ich ernst, auch wenn ich meinen Freundinnen und Freunden in der Politik bisher immer nur beim Bier davon erzähle. Ich hätte nämlich nicht nur Lust auf den Job, sondern bin auch fachlich dafür qualifizierter als jedeR am Horizont erkennbare PolitikerIn und hätte auch schon einen Sack voll Ideen. Der öffentlichen Personennahverkehr ließe sich mit den Mitteln der Digitalisierung und der einen oder anderen Gesetzesänderung massiv verbessern, der Schienenverkehr insbesondere. Den Schnellstraßenbau kann man mit einem psychologischen Trick viel kostengünstiger realisieren. Das Radwegenetz könnte man innerhalb einer Dekade genauso massiv ausbauen wie die Breitbandversorgung. Die Dezentralisierung des Stromnetzes ist viel einfacher als gedacht. Und sogar bei den Schifffahrtswegen erkenne ich Optimierungspotenzial.

Und noch etwas hätte ich ganz anders aufgezogen, nämlich den „Diesel-Gipfel“.

Ja, ich weiß, es gibt schon unzähliche Kommentare zu diesen Thema; ich bin wirklich nicht früh dran. Und die meisten stufen das Ergebnis als ähnlich lächerlich ein, wie ich das tue. Aber darum geht es nicht.

Fassen wir mal zuammen, was passiert ist: Bundesminister Dobrindt hat im Grunde gar nichts erreicht. Einige Autohersteller haben versprochen, dass ein bisschen was an der Software rumgedoktort wird, aber das war es. Keine sofortige schärfere Überwachungsmaßnahme der Abgaswerte. Keine Pflicht zur Nachrüstung von SCR-Abgasreinigungsanlagen. Noch nicht mal die Pflicht, diese ab sofort einzubauen. Nichts dergleichen!

Mich bewegt dies aus mehrerlei Gründen. Zum einen wäre da mein Auto. Ich habe nämlich einen drei Jahre alten Euro-5-Diesel, der vermutlich deutlich mehr Dreck auspustet, als mir vom Hersteller weisgemacht wurde. Ich bin zwar sehr zufrieden mit dem Wagen, hätte aber gerne das relativ umweltfreundliche Fahrzeug, das mit versprochen worden ist. Stattdessen ist der Wert des Fahrzeugs aber gerade um einige tausend Euro gefallen. Dankeschön! Ich weiß jetzt nur, dass vermutlich bei der nächsten Inspektion in meiner Werkstatt eine neue Firmware aufgespielt wird und das war es dann. Stickoxidreduktion? Darf ich für 2.000 € gerne selber nachrüsten. Das bedeutet im Endeffekt, dass es wirtschaftlich für mich jetzt mehr Sinn macht, den Wagen eine Dekade bis zum bitteren Ende zu fahren, als ihn in zwei oder drei Jahren zugunsten eines moderneren Fahrzeugs in Zahlung zu geben.

Zum anderen kommt in mir der Sozi durch. Denn was jetzt droht, und das völlig zu recht, sind Fahrverbote für wenige Jahre alte Autos, die die Bundesregierung vor Kurzem noch massiv gefördert hat. Das bedeutet, dass der Absatz an Dieselfahrzeugen vermutlich drastisch einbrechen wird und somit auch Arbeitsplätze in der Motorenfabrikation akut gefährdet sind. Zwar bin auch ich dafür, schnell auf elektrische Antriebe umzustellen; aber die Verpflichtung zum Einbau von AdBlue-Einspritzanlagen hätte der Industrie Zeit zum Umstellen gegeben. Wir haben jetzt also eine Lose-Lose-Situation erreicht.

Ich verstehe nicht, wie man so unfähig sein kann wie unser derzeitiger Verkehrsminister, das ärgert mich wirklich sehr. Und ich kann nicht mal ansatzweise nachvollziehen, wieso Frau Merkel einfach gar nichts tut. Sie trägt schließlich nicht nur die Verantwortung dafür, dass Arbeitsplätze und Werte vernichtet, sondern letztlich auch, dass Menschen vergiftet werden!

Um an den Anfang meines Eintrag zurückzukommen, ist hier das, was ich als akute Maßnahme unternommen hätte:

  1. Erstzulassung von Dieselfahrzeugen ohne SCR-Abgasreinigungsanlage ist ab 2018 nicht mehr möglich.
  2. Verpflichtung der Hersteller zur kostenlosen Nachrüstung von SCR-Abgasreinigungsanlagen durch die Hersteller aller Dieselfahrzeuge mit Euro-5- und Euro-6-Norm, sofern die Fahrzeuge die angepriesenen Stickoxidwerte unter normalen Fahrbedingungen überschreitet.
  3. Erarbeitung einer staatlichen „Abwrackprämie“ für Fahrzeuge mit Dieselmotoren bis zur Euro-4-Norm.

Außerdem hätte ich vor dem „Diesel-Gipfel“ versucht, mich mit meinen AmtskollegInnen unionsweit abzustimmen. Die meisten Staaten warten nämlich nur darauf, dass Deutschland sich in der Abgas-Frage endlich bewegt. Und die anderen Länder mit Fahrzeugindustrie, also vor allem Tschechien, Polen, die Slowakei, Frankreich und Spanien hätte man schnell von einem solchen moderaten Übergang überzeugen können.

Wieder eine Chance vertan. Sehr, sehr Schade.

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