{"id":9,"date":"2012-04-22T13:53:59","date_gmt":"2012-04-22T11:53:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lammermann.eu\/wordpress\/?p=9"},"modified":"2014-06-01T19:39:28","modified_gmt":"2014-06-01T17:39:28","slug":"i-beat-the-kafkaesque-administration-oder-eine-geschichte-die-es-wert-ist-erzaehlt-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lammermann.eu\/wordpress\/?p=9","title":{"rendered":"I beat the kafkaesque administration. Oder eine Geschichte, die es Wert ist, erz\u00e4hlt zu werden."},"content":{"rendered":"<p>Manche Geschichten sind so traurig, dass sie einen wiederum zum Lachen bringen. So wie meine. Oder, genauer gesagt, die Geschichte meiner Masterarbeit.<\/p>\n<p>Alles begann im vergangenen M\u00e4rz. Hoch motiviert legten meine beiden Fachbetreuer, der Rektor unserer Hochschule h\u00f6chst pers\u00f6nlich und einer unser f\u00e4higsten Laboringenieure, gemeinsam mit mir das Thema meiner Masterarbeit fest. Ein Laborversuch sollte es werden. F\u00fcr das bei uns noch relativ junge Lehrgebiet der Echtzeitsysteme. Spezialisiert habe ich mich auf das Controller Area Network, kurz CAN, weil es zum einen ausgereift und zum anderen kosteng\u00fcnstig ist. Schnell war eine kleine Firma in Ostth\u00fcringen gefunden, die nicht nur alle ben\u00f6tigten Komponenten liefern konnte, sondern zudem auch noch ein sehr preiswertes Angebot unterbreitet hatte. Der Bestellvorgang w\u00fcrde zwei bis drei Wochen dauern, wurde mir versichert. Perfekt, um nach den Pr\u00fcfungen ein bisschen auszuspannen und den Kopf f\u00fcr das bevorstehende Finale frei zu kriegen.<\/p>\n<p>Nun ist es an meiner FH, der Telekom-eigenen Hochschule f\u00fcr Telekommunikation in Leipzig, aber so, dass regul\u00e4re Bestellungen einzig \u00fcber den zentralen Einkauf der Deutschen Telekom get\u00e4tigt werden k\u00f6nnen. Eigentlich ein eingespieltes Procedere. Die Unterlagen wurden ausgef\u00fcllt, das Budget genehmigt und Anfang Mai ging der &#8222;Warenkorb&#8220; samt Kostenvoranschlag und der Bitte um eine z\u00fcgige Bearbeitung nach Fulda, wo das Accounting des Konzerns sitzt. Hier begann die Bearbeitung des Vorgangs am 8. Mai.<\/p>\n<p>Und hier begann auch das Elend, das mich \u00fcber einige Monate viele Nerven gekostet hat &#8211; und bis heute kostet. Denn es ist ja nicht so, dass ein Verwaltungsfachangestellter eine Bestellung der Hochschule einfach nimmt, die Teile ordert und sie als Investition in der Bilanz verbucht. Dies w\u00e4re wahrscheinlich zu einfach gewesen. Nein, denn der Bearbeitungsprozess sieht vor, dass zun\u00e4chst gepr\u00fcft werden muss, ob die Telekom mit den zu bestellenden Komponenten \u00fcberhaupt etwas anfangen kann. Nur war leider der Bearbeiter meines Antrags kein Fachmann f\u00fcr Kommunikationstechnik und er konnte so auch mit dem Begriff &#8222;Controller Area Network&#8220; nichts anfangen. Aber er war anscheinend motiviert genug um kurz nachzuforschen und festzustellen, dass das CAN mit dem Kerngesch\u00e4ft des Konzerns anscheinend nichts zu tun hat. Was folgte war, wohlgemerkt nach einigen Tagen Bearbeitungszeit, die Ablehnung und L\u00f6schung des Warenkorbs. Zwar ist so eine Ablehnung bitter und erfordert nervenaufreibende Nachbearbeitungszeit, doch ist sie auch kein Weltuntergang. Sch\u00f6n w\u00e4re es allerdings gewesen, wenn man die bestellende Instanz, in diesem Fall meinen Laboringenieur, hier\u00fcber in Kenntnis gesetzt h\u00e4tte. So gingen bereits die ersten Wochen ins Land, ohne dass \u00fcberhaupt etwas geschehen ist.<\/p>\n<p>Als, nach einigen Nachforschungen, schlie\u00dflich die aktuelle Situation ans Licht kam, kostete es meinen Fachbetreuer mehrere Tage und ellenlange E-Mails, um dem zust\u00e4ndigen Verwaltungsfachangestellten n\u00e4her zu bringen, um was es sich beim CAN \u00fcberhaupt handelt. Dieser sah letztendlich ein, dass man so etwas durchaus in einem Labor der Hochschule gebrauchen k\u00f6nne und willigte ein, in Zukunft derartige Bestellungen nicht mehr per se abzulehnen.<\/p>\n<p>Da, wie bereits erw\u00e4hnt, der besagte Warenkorb aus dem System der Telekom gel\u00f6scht worden ist, musste der ganze Vorgang aber wieder von vorn beginnen. Das Budget wurde erneut genehmigt und alle Unterschriften eingeholt. Die Bestellung wurde erneut ins beschauliche Fulda geschickt und erreichte das dortige beamtenlastige Accounting im Juni. P\u00fcnktlich zur Urlaubszeit.<\/p>\n<p>Dass der Vorgang in Fulda dann ins Stocken geraten ist, trotz des Hinweises auf die Dringlichkeit der Bestellung, mag nicht weiter verwundern. Aber immerhin arbeitete die Finanzbuchhaltung schnell genug, um den Warenkorb noch im selben Monat zu genehmigen, wenn auch fast vier Wochen nach Eingang.<\/p>\n<p>Seit dem wartet der Auftrag nur noch auf seine Bearbeitung. Es ist n\u00e4mlich nicht so, dass der zust\u00e4ndige Verwaltungsfachangestellte die Bestellung eigenh\u00e4ndig an die entsprechende Firma schickt. Nein, seine Aufgabe ist lediglich die steuerrechtliche Verbuchung der Investition. Den Bestellvorgang \u00fcbernimmt wiederum eine eigenst\u00e4ndige Abteilung.<\/p>\n<p>Dies war vor zehn Tagen. Da bei mir bisher weder ein Paket, noch ein Feedback seitens der Telekom eingetroffen ist, habe ich beschlossen, heute weitere Nachforschungen anzustellen. Ich habe mit meinem Laboringenieur eine geschlagene Dreiviertelstunde und vier unser Verwaltungsmitarbeiterinnen gebraucht, bis wir aus diversen Systemen die Warenkorbnummer, sowie Name und E-Mailadresse der zust\u00e4ndigen Sachbearbeiterin im Konzern ermitteln konnten. Ein Dreizeiler unserer Hochschulverwaltung hat dann aber schon nach wenigen Stunden gefruchtet und mir wurde zugesichert, dass die Bestellung \u00fcbermorgen an die Firma geschickt wird.<\/p>\n<p>Bleibt zu hoffen, dass der restliche Vorgang nicht zu lange dauert. Denn die Telekom bestellt nicht, wie jedes andere Unternehmen, einfach so. Es muss zuerst ein Vertrag ausgehandelt werden, bevor eine Firma in das offizielle Lieferregister des Konzerns aufgenommen werden kann. Ich habe den Vertriebler vorsichtshalber schon mal vorgewarnt und ihn gebeten, den Prozess schnell \u00fcber sich ergehen zu lassen und das Paket so bald wie m\u00f6glich versandfertig zu machen. Er versicherte mir, dass die Kunden normalerweise sp\u00e4testens drei Werktage nach Eingang der Bestellung ihre Lieferung h\u00e4tten. Schnell und unkompliziert.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a class=\"FlattrButton\" style=\"display:none;\" href=\"http:\/\/www.lammermann.eu\/wordpress\/?p=9\" title=\" I beat the kafkaesque administration. Oder eine Geschichte, die es Wert ist, erz\u00e4hlt zu werden.\" rev=\"flattr;uid:Seb1982;language:de_DE;category:text;tags:blog;\">Manche Geschichten sind so traurig, dass sie einen wiederum zum Lachen bringen. So wie meine. Oder, genauer gesagt, die Geschichte meiner Masterarbeit. Alles begann im vergangenen M\u00e4rz. Hoch motiviert legten...<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Geschichten sind so traurig, dass sie einen wiederum zum Lachen bringen. So wie meine. Oder, genauer gesagt, die Geschichte meiner Masterarbeit. Alles begann im vergangenen M\u00e4rz. 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